Vor Studienabschluss in Lantershofen: Vier Jahre – vier Fragen

Im September 2020 ist Florian Heptner ins Propädeutikum des Münchener Priesterseminars eingetreten, seit 2021 studiert er nun im Studienhaus St. Lambert in Lantershofen, das sich auf Studenten des Dritten Bildungswegs spezialisiert hat. In diesem Sommer stehen nun der Studienabschluss und der Eintritt in den Pastoralkurs an. Was hat er dort erlebt?
Was ist das Besondere am Seminar in Lantershofen?
Wenn ich auf meine Zeit im Priesterseminar in Lantershofen zurückblicke, bin ich voller Dankbarkeit für die Erfahrungen, die ich dort machen durfte. Das Studienhaus, idyllisch gelegen inmitten der Weinberge, ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Raum der Begegnung und der geistlichen Formung.
Lantershofen ist ein Seminar, das sich in vielerlei Hinsicht von anderen Ausbildungsstätten unterscheidet. Die Seminaristen stammen aus verschiedenen Diözesen Deutschlands und unterschiedlichen Ordensgemeinschaften. Diese Vielfalt bereichert das Miteinander, denn jeder bringt seine eigene Geschichte, seine Erfahrungen und seine Spiritualität mit. Auch die Altersstruktur ist breit gefächert – von 25 bis über 50 hinaus. Was uns Seminaristen verbindet, ist die Tatsache, dass wir alle bereits einen Beruf ausgeübt haben. Das Leben „draußen“ ist allen Studenten vertraut, wir kennen die Arbeitswelt, ihre Herausforderungen und Chancen. Ich selbst habe eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolviert.
Was ist das Besondere am Studium in Lantershofen?
Das Studium in Lantershofen folgt einem besonderen Rhythmus: In vier Jahren werden die theologischen Inhalte in einem Trimester-System vermittelt. Eine der großen Stärken dieser Ausbildung ist das Lernen in kleinen Gruppen. Im Gegensatz zu einer anonymen Universitätsstruktur bietet das Seminar ein sehr persönliches Studienumfeld. Der direkte Austausch mit den Dozenten ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen.
Ein besonderer Vorteil ist, dass die Dozenten direkt ins Studienhaus kommen und dadurch ein Studium vor Ort stattfindet. Diese Nähe erleichtert den persönlichen Kontakt, sowohl zu den Lehrenden als auch zu den Mitstudenten.
Gab es auch Herausforderungen dort?
Natürlich gab es auch Herausforderungen, die es zu bewältigen galt. Die Entfernung zur Heimatdiözese, zu Familie und Freunden stellte für mich eine Umstellung dar. Häufige Heimfahrten waren wegen der langen Autofahrten nach Lantershofen selten möglich.
Eine weitere Herausforderung war das intensive Zusammenleben. Unterschiedliche Altersstufen, verschiedene Denkweisen und Lebenserfahrungen trafen aufeinander. Doch gerade diese Verschiedenheit machte die Gemeinschaft so spannend und lehrreich. Das Miteinander forderte immer wieder heraus, bot aber auch die Chance, zu wachsen – in Geduld, im Verständnis füreinander und in der Fähigkeit, gemeinsam den Weg zu gehen.
Welches Studienfach war am Interessantesten, welche Erkenntnisse bleiben nun für die Praxis?
Besonders wertvoll war für mich das Studium der Philosophie. Die Auseinandersetzung mit den Denkweisen der großen Philosophen der letzten Jahrhunderte interessierten mich sehr, ebensolehrten uns die Dozenten, ihre Gedanken für die heutige Zeit fruchtbar zu machen. Bereichernd war das pastoralpsychologische Curriculum, das ein tieferes Verständnis für die Menschen und ihre seelischen Nöte vermittelte, insbesondere das Führen eines seelsorgerischen Gespräches. Und nicht zuletzt hat mich der Gesangsunterricht geprägt – denn es ist mir wichtig, später als Priester die Liturgie schön feiern zu können, wozu auch der Gesang gehört.
Zum guten Schluss…
Rückblickend bin ich sehr dankbar für meinen erlernten Beruf, den ich vor dem Seminar ausgeübt habe. Die Erfahrungen aus der Arbeitswelt helfen mir dabei, die Lebensrealität der Menschen besser zu verstehen. Gerade in der Seelsorge ist es wichtig, auf Augenhöhe mit den Gläubigen sprechen zu können und die Herausforderungen des Alltags nicht nur aus der Theorie, sondern aus eigener Erfahrung zu kennen.
Auch kulturell hat mich die Zeit in Lantershofen bereichert. Die rheinische Mentalität, ihre Herzlichkeit und Offenheit haben mich beeindruckt. Ein besonderes Highlight waren die gemeinsamen Feste, die wir als Seminaristen mit den örtlichen Vereinen gefeiert haben. Das Schützenfest, das tief in der Tradition verwurzelt ist, war ein wunderbares Beispiel für die Verbundenheit der Menschen untereinander. Und als Karnevalshochburg gehört natürlich auch die „fünfte Jahreszeit“ in Lantershofen fest zur Kultur, leider ohne bayerisches Bier.
Lantershofen war und ist für mich weit mehr als ein Ort des Studiums – die vergangenen Jahre waren zwar intensiv und voller Herausforderungen, doch sie haben meinem Weg zum Priestertum nachhaltig gestärkt.